Archive for Lungenhochdruck und -transplantation

Die einfachen Dinge des Lebens oder Worüber man nicht mehr nachdenkt / The easy things in life or things you don’t think about

Neulich stand ich im Badezimmer und war dabei mir die Haare zu bürsten – eine völlig selbstverständliche Handlung eigentlich, aber beim Blick in den Spiegel fiel mir ein, wie ich 2 Monate davor noch auf der Intensivstation gelegen war. Einfachste Dinge wie mir die Brille aufzusetzen oder sie auch nur zurecht zu rücken waren mir unmöglich gewesen. Mir die Haare zu frisieren war vollkommen unmöglich. 2 Monate sind eigentlich eine sehr kurze Zeit dafür, dass ich eine schwere Operation hinter mir habe.

Das wurde mir in diesem Moment erst so richtig bewusst.

Ich habe dann in Gedanken die letzten 5 Wochen Revue passieren lassen. Seitdem ich hier bin auf Hochegg sind die Fortschritte ganz besonders deutlich. Ich habe mich an die ersten 3 Stufen erinnert die ich gegangen bin und wie stolz ich auf mich war. Die Beine waren noch zittrig und schwach, aber die Tatsache nach der langen Zeit wieder Stufen gestiegen zu sein war einfach wundervoll.

Zu Beginn der Rehabilitation war es auch noch schwer in der Dusche zu stehen. Im Krankenhaus war noch ein Hocker in der Dusche gewesen, hier aber hätte ich extra einen verlangen müssen.

Mein erster Spaziergang rund ums Haus. Die erste Steigung und das Gefühl es geschafft zu haben. In der Zeit hier habe ich es geschafft in die Wandergruppe 3 zu kommen. Das bedeutet 3  Kilometer zügiges gehen.

Jedes Mal in der Physiotherapie die Verbesserungen spüren, bemerken wie immer mehr Kraft in die Arme und Beine zurückkehrt, wie der Rücken immer stabiler wird. Das Sitzen war bereits im Krankenzimmer fast unmöglich weil ich keine Muskeln im Rücken hatte und der Rücken zusehr schmerzte. Ich habe oft nichts gegessen weil es mir zu anstrengend war zu sitzen. Ich habe lieber auf das Essen verzichtet,  ich konnte einfach nicht…

englisch Version:

Written August 2010…

Recently I was standing in the bathroom, brushing my hair, a simple action, but looking into the mirror I realized, that only 2 month ago, I’ve been in intensive care. I was not even able to put my glasses on, not even to move them up my nose. To brush my hair was something I wasn’t even thinking about! 2 month are a quite short time when thinking about my operation.

This was the moment, I realized that completely.

I recalled the past 5 weeks. Since I’ve been in Hochegg (Rehab-Center in Austria) my progresses are quite eminent. I can remember the fist time I took steps again. There were only 3, but I was so proud of myself. My legs were shaking and quite weak, but I loved it that I could mount steps again.

When starting the Rehabilitation I had also difficulties to stand in the shower. In hospital I had a chair to sit when standing got to tiring. Here I would have had to order one, but I didn’t do. My first walk around the house. The first ascent, the feeling that you’ve made it! the time I’ve been here I reached being able to walk 3 kilometers quite fast!

Every time doing physiotherapy, feeling the growth of strength in arms and legs. To feel that my back gets stronger every day. Sitting was so painful in hospital. I often didn’t eat b/c sitting was so exhausting. I had so much pain, that I rather didn’t eat than have to sit. I just could not…

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Vom Müssen, vom Sollen und von der Freiheit

In der Zeit, die ich aufgrund meiner Erkrankung an Lungenhochdruck, der erhöhten Schwächung des Herzens vor und nach meiner Transplantation im Krankenhaus verbracht habe, fiel es mir sehr leicht die Prinzipien der Gewaltfreiheit (Ahimsa), Mediation und Ruhe und viele weitere Aspekte aus dem Yoga umzusetzen. Ich war zwar in der Welt, aber fern von allem Alltäglichen, fern von all den Dingen die mich nun umgeben und beschäftigen. Ich hatte keine Verpflichtungen in der Welt und so lebten die Welt und ich neben einander her könnte man sagen.

In dieser Zeit war ich gezwungen alles anzunehmen wie es ist, denn ich konnte einfach vieles nicht mehr tun. Wenn man nicht kann, dann hört man der Einfachheit halber irgendwann einmal auf zu wollen. Und genau in diesem „Aufhören zu wollen“ liegt ein großer Teil dessen, was die persönliche Freiheit ausmacht.

Es klingt vielleicht paradox, aber nichts macht uns freier als aufzuhören, etwas zu wollen, etwas zu verfolgen und zu glauben etwas tun oder lassen oder lernen zu „müssen“. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir stehen bleiben und inaktiv werden (sollen), Aufzuhören zu wollen, bedeutet anzufangen zu leben, es bringt uns näher zu uns, bringt uns dahin, näher am und im Leben zu sein. Wenn wir uns dem zuwenden, was auf uns zukommt und uns mit diesem auch in diesem Moment beschäftigen, gibt es keine Widerstände mehr.

Das ist ganz wunderbar! Es gibt nichts mehr, was einen stört. Kleinigkeiten, die einen an anderen Menschen gestört haben, von denen wir das Gefühl hatten, in der eigenen Freiheit eingeschränkt zu sein oder etwas oder jedmandem ausgeliefert zu sein, das ist alles nicht mehr wichtig. Man nimmt sich selbst und all die anderen einfach an. Man stellt fest, wie wenig wichtig manche Dinge in Wirklichkeit sind, die einem so wichtig erschienen. In diesem Lösen befreit man sich, atmet ein Stück freier, lebt ein Stück leichter – auch in schwierigen Situationen.

Und jetzt – zurück in der Welt, zurück im Leben, finde ich mich ein Jahr nach dem Erlebten, nach meiner ganz eigenen persönlichen Zeit, nach all diesen wunderbar freien, liebe- und freudvollen Momenten, in Situationen wieder, in denen meine Leichtigkeit und mein Wohlwollen mir einfach fehlen. Mir abhanden gekommen scheinen.

Ich weiß, habe am eigenen Körper, mit meinen Sinnen, meinem Geist, mit all meinem Wesen spüren können, wie frei man ist, und doch… es ärgern mich oft Banalitäten. Ich lasse mich von kleinen und unwichtigen Dingen aus meiner Ruhe bringen. Lenke meine Aufmerksamkeit weg von mir hin zu all den Dingen im Außen. Fühle mich ab und zu wieder getrieben und bin doch nur getrieben von mir selbst. Wer sagt denn, dass alles erledigt werden muss, außer meinem Ego? Wer bestimmt, was wichtig ist, was zuerst gemacht werden soll, welche Aktivität mehr Aufmerksamkeit benötigt? Nur ich selbst. Und das gilt für alles.

Auch wenn wir uns fühlen, als wären wir fremdbestimmt, als könnten wir gar nicht anders als so zu reagieren.

Wir könn(t)en es immer. Und der erste Schritt dahin ist, es wieder zu bemerken und achtsam zu sein.

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Gedanken zum Jahrestag (4) – intensives Erleben

Am Samstag war es genau 1 Jahr her. Am 11. Juni 2010 der Früh um halb 5 (so wurde mir berichtet) war die OP vorbei. Am 11.6.1978 um 4:40 bin ich auf die Welt gekommen.

Es war ganz schön knapp. Am Leben gehalten wurde ich mit einer Herz-Lungen-Maschine. Das geht eine Zeit lang, aber keiner weiß genau wie lange… Ich hatte also sehr viel Glück. Im richtigen Moment im richtigen Land im richtigen Spital zu liegen, und dann noch eine passende neue Lunge zu erhalten. Ein Wahnsinns-Geschenk! – Eine 2. Chance im Leben.

Heute, ein Jahr danach, läuft mir bei dem Gedanken noch immer ein Schauer über den Rücken. Ich spüre, wie ich jeden Tag stärker werde, kann wieder Stufen steigen, gehen, sogar langsam laufen (wenn auch noch nicht so fit wie früher), atme ohne Beschwerden und kann das Leben in jeder Zelle spüren.

Am Wochenende war Kirtag in Bad Sauerbrunn und ich war ständig zwischen Lachen und Weinen. Ich war einfach überwältigt von dem Gedanken, das ich ein Jahr davor noch im Koma lag, habe in diesem Jahr um mein Leben gekämpft,und mich rehabilitiert… Am Sonntag im Zelt konnte ich zur Musik sogar wieder mittanzen! Mit Pausen zwar, aber ich konnte endlich wieder tanzen! Ich konnte mich endlich wieder Bewegen ohne vollständig außer Atem zu kommen, konnte mich wieder bewegen, ohne das Gefühl, es säße jemand auf meinen Schultern und auf meiner Brust. Ich konnte das Leben, den Moment und den Spass so richtig genießen – Ich war wie im Rausch.

Mit aller Kraft die ich hatte habe ich mich hierher gebracht. Mit aller Kraft die ich habe, lebe ich dieses Leben und lebe meiner Zukunft entgegen. Heute bekomme ich Komplimente, dass man mir die OP gar nicht ansehen würde, … Es ist so ein unglaublich tolles Gefühl, dass ich die ganze Welt umarmen könnte!

Jetzt kommt eine neue Herausforderung auf mich zu: Ein neues Tempo zu finden, dass zu mir passt. Eines, dass mich selbst nicht überfordert, mich aber bald in ein „normales“ Leben und in eine berufliche Tätigkeit hineinbringt. Schritt für Schritt gehe ich dorthin, jeden Moment auf diesem Weg genießend.

Ich habe Zeit, ich nehme mir die Zeit. Es geht ohnehin alles so schnell… und ich will jeden Moment genießen können. Will niemals aufhören zu spüren, dass ich am Leben bin. Will niemals aufhören dankbar zu sein, dass ich weiterleben durfte. Will niemals aufgeben und meinen Weg weitergehen.

Das Leben intensiv erleben, spüren, erfahren. Lernen was ich zu lernen habe und geben, was ich geben kann.

Durch Falco zu unsterblichen Worten geworden und ich finde passender geht es nicht: „muss ich erst sterben… um zu leben“ (http://www.magistrix.de/lyrics/Falco/Out-Of-The-Dark-29725.html)

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Gedanken zum Jahrestag (3) – Gelassenheit

Während meines kleinen Bades in Selbstmitleid, die Welt würde sich nicht um mich kümmern, muss ich sagen, ging  es mir nicht gut. Wie denn auch? Negative und depressive Gedanken ergeben negative und depressive Schwingungen, Emotionen und generell gesagt: negative Seinszustände.  Das ist so. Warum bin ich so arm, warum muss ich immer organisieren, warum muss ich… aus dem steig ich jetzt aus PUNKT

Warum?

Weil ich mir meine Wirklichkeit, so wie sie ist selbst kreiere. Ein Satz, den ich heute gesagt habe, hat mir das schlagartig ins Bewusstsein gerufen.

Als ich im Krankenhaus lag und in herrlichster Weise nur mit mir beschäftigt war, als die Welt mich, und ich die Welt in Ruhe gelassen habe und nur im Moment des Moments gelebt habe, da ging es mir wunderbar. Ich habe stundenlang meditiert, philosophiert, war wochen- und monatelang nur geistig frei – aber wie frei ich war, das begreife ich erst jetzt.

Was im Krankenhaus Momente der Verzweiflung brachen war vor allem die Entscheidung Pro-Transplantation, die ich mir wohl unnötig schwer gemacht habe, weil sie für mich so schwer schien… ich habe sicher eine Woche lang gelitten, obwohl ich innerlich wohl wusste, wie ich entscheidne musste. Auch Nadeln und Schmerzen waren zum Schluss Dinge, die mich verzweifeln liesen… aber dazu ein anderes Mal

In der im Grunde vollkommenen Annahme der Tatsachen, im geglückten Versuch Glücklichsein mit dem was und TROTZDEM was war, war ich vollkommen bei mir, mit mir. Ich war mir selbst genug, war ausgeglichen, und wirklich niemand aus dieser Welt konnte mich aus der Ruhe bringen. Nicht mal meine Mutter, und die schafft das normalerweise ganz wunderbarbar – sie braucht nicht mal etwas zu sagen… ich weiß es ja schon vorher was jetzt kommt! (Bitte unbedingt den Zynismus mitlesen) Vielleicht ist das der Grund meiner derzeitigen latenten Unzufriedenheit mit einem Leben das nichts zu wünschen übrig lässt. Ich habe vergessen, dass ich NICHTS, aber auch WIRKLICH NICHTS  – muss. Alles was ich tue oder lasse bleibt mir überlassen, entscheide ich. Die Welt geht nicht unter, nein sie dreht sich vollständig unberührt weiter. Das Leben bleibt nicht stehen, es dreht sich nicht mal um. Dieser Gedanke erfüllt mich mit einer herrlichen Freude.

Ich lebe genau das was ich will und habe daher genau das was ich kreiert habe. Ich fühle das, was ich fühlen will. Emotionen sind steuerbar. Ich kann mich darfür entscheiden ob ich mich über etwas ärgern, freuen oder mich von der Welt angenommen oder abgelehnt fühlen möchte.

Als ich im Krankenhaus, in meinem schwachen Zustand so fern der Welt war, war das ja auch wirklich leicht. Ich war in einer paralelen Welt, in einer Welt, in der ich keinerlei Verantwort hatte, weil ich mir auch schlicht keine Verantwortung genommen habe und die Welt das hingenommen hat.  Ich habe meine körperliche Unzulänglichkeit akezptiert – so wie die Menschen um mich herum auch.

Ich lebe jetzt in der Illusion der Gesundheit, lebe, als ob alles in Ordnung ist, nehme und lebe alles was ist als normal, und es gibt für mein Umfeld keine andere Weise darauf zu reagieren.

Wenn ich bestimme, sage und lebe, dass ich wieder da bin, dass alles wieder ok ist, wenn sich nichts ändert und ich in alten Spuren fahre, dann ist auch alles in alten Spuren. Für niemand anders hat sich soviel geändert. Nur für mich. Und wie soll ich denn vermitteln, dass ich mich manchesmal auch fühle, als wäre ich erst ein Jahr alt…

Neu geboren zu werden bedeutet einfach wirklich neu zu sein auf der Welt – dass ich jetzt 33 Jahre alt werde und nicht erst eines, dass ich im Leben und im Körper einer 33-jährigen stecke und dennoch so vieles für mich so neu ist wie für ein einjähriges Kind… wie soll ich das erklären? Vor allem wenn ich selbst noch nicht begreifen kann?

Vieles von dem was ich erlebt habe, ist noch nicht aufgearbeitet…  aber wie kann ich das zeigen, wenn ich ja doch wieder leben will.. wie eine 33-jährige.

Ich freue mich jetzt jedenfalls über die Erinnerung an diese Gelassenheit und beschließe hiermit sie wieder zu leben.

Weil nur glücklichsein zählt. Weil das Leben so viel mehr Freude macht, wenn das Lächeln von Herzen kommt…

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Gedanken zum Jahrestag (2) – Selbstverständlichkeit

Der Tag meines Geburtstags nähert sich, und da ich dieses Jahr nicht nur 33 Jahre lang auf der Welt bin, sondern auch genau ein Jahr eine neue Lunge habe, (mit dieser im wahrsten Sinne des Worte neu geboren wurde) ist dieser 11.Juni 2011 ein sehr spezieller für mich.

Leider fällt mein Geburtstag dieses Jahr genau in die Pfingstfeiertage und  weil viele von denen es mir wichtig gewesen wäre, diese Tage zum verreisen nutzen sind sie nicht da um mit mir feiern können. So ist das Leben. Dafür werden andere Menschen dabei sein und die besonders wichtigen – mein Mann und meine Familie – werden auf jeden Fall mit mir feiern können.

Ich bemerke, dass sowohl ich alsauch meine Umgebung meine Anwesenheit und mein Mit-Leben auf dieser Welt und in diesem Leben wieder als vollständig selbstverständlich betrachten. Das geht leicht… alles einfach hinzunehmen, daher erinnere ich mich jeden Tag daran, wie glücklich und dankbar ich darüber sein kann und wie wenig selbstverständlich es ist ein leichtes, glückliches Leben (fast) ohne Krankheit zu führen. Ich möchte im Alltag auch nicht anders behandelt werden.

Es sind doch alle besonders. Jeder und jede schafft ihr Leben in einer wunderbaren Weise. Viele Menschen bewundere ich für ihre Stärke und ihren Mut. Manche Menschen dürfen mehr Herausforderungen meistern als andere. Das ist eben der Lauf der Dinge.

Dennoch merke ich, dass – besonders im Hinblick auf diesen Jahrestag – dass ein klein bisschen weniger Selbstverständlichkeit sehr schön wäre.

Ist es blöd, egoistisch oder … eitel, dass ich mir dies wünsche? Warum ist es mir wichtig, dass mein Leben ein Jahr nach soviel Leid und Krankheit etwas weniger selbstverständlich ist, für die Menschen die mir nahe stehen? Soll es wichtig für mich sein? Ist dies das Ego, dass aus mir spricht? Ist das wirklich wichtig? Warum ist es gerade so wichtig für mich?

Mein Leben gewänne nicht an Bedeutung, wenn es Menschen gibt, die sich um mich kümmern und sich Gedanken machen,aber es fühlte sich gut an.

Die meisten Menschen möchten an ihrem Geburtstag, aber auch so ab und zu gefeiert werden, gelobt, hervorgehoben, bewundert… Das Leben will gefeiert werden. Ich kann beides an einem Tag feiern. Ein neues Leben und meinen Geburtstag.

Bedeuten meine  Gedanken, das ich gerne bedeutsam wäre oder dass mir wichtig ist, zu wissen was ich den Menschen bedeute, vielleicht bin ich mir für mich nicht sicher genug? Bedeute ich mir selbst zu wenig? (Bedeute – was ist das eigentlich für ein Wort?)

Und ist das alles jetzt gut oder schlecht? Egoistisch oder nicht?

Darf man im Leben etwas bedeutendes sein wollen?

Ich finde für diese Frage gerade keine Antwort. Wahrscheilich werde ich es am Sonntag wissen, wenn alles vorbei sein wird und mein 2. Lebens jahr in diesem neuen Leben begonnen haben wird.

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Von Schuldgefühlen

Wenn man mal im Krankenhaus gelegen ist, weiß man es – Privatsphäre gibt es nicht. Zimmer für annähernd Gleichaltrige sind oft nicht möglich. Das Personal bemüht sich die bestmögliche Kombination zusammen zu stellen aber 30 bis 50 Jahre Altersunterschied und dazu das körperliche Unwohlsein machen es kompliziert. Kompromisse sind gut, aber eben nicht 100%ig wirksam.

Da ich nicht schlafen kann, lese ich am Abend. Meine Zimmernachbarin kann durch das Licht aber auch nicht (mehr?) schlafen.

Es kommt wie es kommen muss: Als sie von der Toilette zurück kommt, ist ihr auf einmal schlecht. Sie bittet mich noch, dass ich ihr helfen soll. Da sehe ich, wie sie quersitzend am Bett nach hinten fällt. Das kann bei den ganzen Stangen rund um die Betten auch mit bösen Verletzungen enden, also löse ich mich so gut und schnell wie möglich meine an mir hängenden Kabel und versuche sie zu stützen. Rufe noch die Schwester und merke, wie sie das Bewusstsein verliert.

Dann ging alles ganz schnell. Ich bin im Schock! Unglaublich wie knapp alles sein kann! Für diese Nacht werde ich ausquartiert.

Am  nächsten Morgen, zurück im Zimmer frage ich nach wie es ihr geht.

Ihre Anwort: Es geht ihr nicht gut, aber besser. Ob ich immer so lange lese, denn sie konnte ja nicht schlafen, deshalb fühlte sie sich schlecht und sonst wäre das alles ja auch überhaupt nicht passiert…

Das sitzt.

Im ersten Moment kommt das Schuldgefühl.

Im zweiten Moment die Wut. „Wie kann sie nur! Gesagt hat sie vorher ja auch nichts!“

Im dritten Moment kommt der Trotz: „Mit der rede ich sicher nicht mehr!“.

Die Wut macht mich ohnmächtig, der Trotz hilft mir nicht, die Schuldgefühle passen nicht, denn ich habe nichts falsch gemacht. Eine Achterbahn der Gefühle aus der ich mich entschließe ganz bewusst auszusteigen.

Wenn einem etwas Schlimmes passiert, oder man sich schlecht und hilflos fühlt sucht man einen Grund, einen oder eine Schuldige/n.  Wenn das nicht gewesen wäre, dann…  Man schiebt die Schuld  weg, um sich besser zu fühlen. Wie der andere damit umgeht interessiert nicht.  Den eigenen Anteil oder Zusammenhänge werden einfach ignoriert und die Welt wird ein klein wenig ungemütlicher.

Aber manche Dinge passieren einfach. Es gibt niemanden, dem man die Schuld für Geschehnisse wirklich geben kann und soll.

Ich habe gelernt, dass es notwendig ist, manches einfach zu akzeptieren.  Auch unangenehme und traurige Dinge wie Krankheit und Tod haben einen Grund.

Dies zu akzeptieren ist weder leicht noch gibt es ein Patentrezept dafür. Es geschieht im Inneren – in der Versöhnung mit sich selbst und der Situation in der man sich befindet. Schafft man dieses, wird es danach aber leichter, heller und freundlicher.

– geschrieben am 7. März 2010

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Gedanken zum Jahrestag (1)

Gestern im Flieger – eine neue Bekanntschaft gemacht – und daran erinnert worden, wie wunderbar es ist, sich jeden Tag auf’s neue daran zu erinnern, dankbar zu sein dafür am Leben zu sein.

Vor einem Jahr, am 1. Juni wurde ich erneut ins Krankenhaus gebracht… ich konnte gar nicht mehr alleine gehen. Synkopen (http://de.wikipedia.org/wiki/Synkope_%28Medizin%29) waren bereits an der Tagesordnung und das Wochenende zuvor waren es 3 gewesen…

Heute kann ich mit meiner neuen Lunge wieder gehen, lernen, lesen, Yoga machen, kann spazieren gehen und mich frei bewegen, kann mich ohne Mühen bewegen und darf sogar wieder fliegen… unglaublich!

Vor einem Jahr konnte ich mich nicht einmal mehr selbstständig auf die Toilette bewegen, konnte kaum mehr 3 Schritte tun ohne außer Atem zu kommen, konnte mich selbst nicht mehr heben, war zu müde zu allem… Sogar Atmen und Liegen waren anstrengend…

Das Leben, unser Körper, die Energien die wir haben sind solch großartige Geschenke, die uns so selbstverständlich werden…

Dabei fühlt es sich so wunderbar an, sich zu freuen, dankbar und glücklich zu sein.

Ich möchte mich jeden Tag daran erinnern, möchte keinen Tag mehr unbewußt verleben ohne mich zumindest einmal besonnen zu haben dafür, wie wunderbar es ist am Leben zu sein, und dies auch zu spüren!

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