Erfolg durch Harmonie

Das Ende der Leistungfähigkeit oder Die Frage nach den 100%

Ich versuche mein Leben sehr achtsam zu leben, darauf zu achten, welche Zeichen und Weichen an meinem Weg stehen, welche Steine ich für Brücken verwenden kann und welche ich getrost liegen lassen und um sie herumgehen kann. Letztens habe ich über Selbstoptimierung gesprochen, und darüber, dass diese für mich eher ein Weg zu mir selbst ist. Mich verbessern zu wollen, bedeutet für mich, mich wie eine Zwiebel zu schälen und Schicht für Schicht abzutragen um schließlich zu meinem Kern zu kommen.

Eigentlich gefällt mir das Bild der Zwiebel nicht so gut, denn ich bin überzeugt, dass unser Innerstes, etwas strahlend Schönes ist… aber das Bild der Zwiebel passt trotzdem irgenwie…

Auf diesem Weg gehe ich eben und in den letzten Tagen wurde ich total erschüttert von einer Erkenntnis, die mir mal wieder geschenkt wurde – es ging um meine Leistungsfähigkeit…

Ich beim Spiro-Ergometer-Test Anfang November

Spiro-Ergometer-Test

Da ich erst am 10. Juli 2018 zum zweiten Mal lungentransplantiert wurde habe ich Anfang November einen Leistungstest gemacht. Bei einer Spiro-Ergometrie wird anhand der Herz- und Sauerstoffwerte (vereinfacht) eine optimale Trainingsfrequenz gemessen und festgestellt wie fit man ist.

Bei dieser Untersuchung sitzt man auf einem Rad, es ist ein EKG angeschlossen und man hat eine Maske auf, die Werte aus der Atemluft entnimmt. Es geht darum, bei steigender Belastung (die Wattanzahl wird erhöht) so lange zu radeln bis man nicht mehr kann, also seine Grenze erreicht hat.

Ich habe also diesen Test gemacht und als die Ärztin meinte, wir brechen jetzt ab, war ich fast beleidigt, denn ich dachte, ich hätte jetzt noch mehr geben können und war eigentlich – trotzdem 84% Leistungsfähigkeit – (gemessen an einer gesunden Person) recht unzufrieden, denn ich dachte mir, ich hätte „beweisen“ können, dass ich mehr kann!

Jedenfalls fühlte ich mich gar nicht so, als wäre ich bis zu meiner Leistungsgrenze gefahren.

Als ich von ein paar Tagen mit meiner Physiotherapeutin diese Werte besprochen und ihr meine Bedenken hinsichtlich der Werte mitgeteilt hatte klärte Sie mich auf und erklärte mir die verschiedenen Messungen.

Die Ärztin hatte den Test abgebrochen, weil meine Sauerstoffwerte nicht mehr in Ordnung waren und ich zuviel CO2 und zu wenig O2 im Blut hatte… Zu wenig Sauerstoff für Herz und Lunge.

Ich war sprachlos.

Bin sprachlos.

Ich hatte das Gefühl, dass ich sicherlich noch 30% Leistung mehr hätte bringen können.

….

[… kurze Stille – ein Moment um zu reflektieren… ]

Ich war total betroffen, und zwar von der Tatsache, wie wenig Gefühl ich für meine eigenen Grenzen habe. Immer schon – früher mehr als heute – aber die Tendenz ist noch da – habe ich gearbeitet, getan, bin gegangen oder gewandert, gelaufen.. egal was – you name it – ich hab es übertrieben.

Wenn ich nicht erschöpft war – hatte ich für mich nicht alles gegeben – und damit war ich immer weit über meine 100% gegangen – ohne es zu begreifen.

Kein Wunder, dass ich vor meinem 30. Geburtstag ein Burn-out erlebt habe!

Auch kein Wunder, dass ich bis heute … also bis vor einigen Tagen immer der Meinung war, ich könnte noch mehr… ständig am Limit… einfach weil ich es niemals als Möglichkeit in Betracht gezogen habe, ich könnte in meiner Auffassung über meine Grenzen einen „falschen Richtwert“ gespeichert haben.

Dieses Erlebnis hat mich jedenfalls sehr zum Nachdenken gebracht.

Wenn es sich so anfühlt 100% gegeben zu haben, dann … muss ich gar nie alles geben… ich wäre, auch wenn ich viel tue niemals erschöpft.

Kennst du das Gefühl?

Ich habe jedenfalls so eine Idee, dass ich nicht die einzige bin, die sich (gerne? – was für eine seltsame Formulierung) über Leistung definiert und gerne mal über ihre/seine Grenzen geht.

Die „Krux“ dabei ist: ich habe es so gelernt und das Umlernen erfordert, dass ich erkenne wo etwas falsch läuft. Also mehr Aufmerksamkeit auf den Moment.

Witzig dabei ist: heute habe ich einen Vortrag über Meditation angehört (eigentlich ein ganz anderes Thema, aber die Meditation kam darin vor – folgender Schlüsselsatz ist bei mir hängen geblieben: Bei Meditieren muss man nichts erreichen wollen, wenn sie funktionieren soll…

Ihr seht mich nicht, aber ich schüttle gerade meinen Kopf, verdrehe die Augen … und schmunzle… ich WEISS das alles – aber – kennst du das auch – man vergisst solche Dinge auf dem Weg… und dann kommt irgendwas daher – eine Erfahrung, ein Seminar, ein Vortrag, ein Gespräch und dann kommt der „Aha-Moment“ und mann/frau denkt sich: „Das wusste ich doch schon mal!“

Aber zurück zum Thema: Selbstreflexion ist ja nicht so einfach – auch sagt uns aus unserem Umfeld ohnehin schon etwas, aber es ist schwer, wenn man es nicht selbst erfährt, wenn man nicht weiß wovon der/die andere eigentlich spricht…

Das gestrige Erlebnis hat mir wieder einmal gezeigt, dass ich viel, viel, viel weicher und freundlicher zu mir sein darf. Dass es nicht nötig ist, immer über sich hinaus zu wachsen! In manchen Situationen kann man schon mal all seine Kräfte mobilisieren um etwas fertig zu bekommen, aber das sollte nicht die Regel sein.

Ich habe dann wieder über Selbstoptimierung nachgedacht und darüber, dass es mir wichtig ist, mich weiter zu entwickeln und ich, auch wenn es anstrengend ist, ich mein Leben mag, in dem soviel passiert und mir so viele Hinweise und Informationen gesendet werden die mir zeigen, wohin ich meine Aufmerksam lenken kann, wenn ich dazu bereit bin. (dazu hab ich auch erst geschrieben=> link)

Es ist ja auch die Art und Weise – wie – man etwas macht. Mit Liebe und Freude und Ruhe.

Also ist mein neuer Selbst-Optimierungs-Ansatz: Tue weniger und strenge dich weniger an! 

Ich hab das ganze dann auch gleich mal umgesetzt.

Bei meinem Radtraining und bei meiner Morgenroutine.

Bei meinem Radtraining habe ich ganz genau auf die Einhaltung des optimalen Pulses geachtet – wo vorher Unverständnis war, wie ich den Puls denn bitte schön reduzieren sollte, ohne eine gewisse Herausforderung zu haben… Es war auf einmal ganz einfach! Ich bin einfach langsamer gefahren, war aufmerksamer – UND – es hat wunderbar geklappt – ich war genauso schnell – UND – danach viel weniger müde!

Eine vollkommen neue Erfahrung!

Bei meiner Morgenroutine habe ich einfach etwas ausgelassen bzw. auf später verschoben – denn  – wenn ich nicht mehr 150% mache, habe ich am Abend auch noch Zeit für ein wenig Yoga, eine kurze Meditation oder oder oder… ich kann mich ja jeden Tag neu entscheiden was ich tun will (dazu mein Artikel zur Morgenroutine)

Ich freue mich gerade wie ein Kind vor dem Christbaum darüber, dass ich so eine großartige Erfahrung machen durfte und jetzt weiß, dass ich es mir leicht machen darf! Ich erreiche meine Ziele (und das sind gar nicht wenige 😀 ) auch, wenn ich nicht ständig auf der Überholspur bin!

Unglaubliche 4 Monate und 20 Tage nach meiner Transplantation bin ich auf einem großartigen Weg mein Leben so zu verändern, dass ich mir erlauben kann, entspannter zu sein weil ich endlich begriffen habe, dass ich meine Limits herunterschrauben darf – und MUSS – aber vor allem will!

Es fühl sich sehr, sehr leicht und gut an!

Vor allem aber freue ich mich, dass ich das hier mit Dir teilen kann.

Denn vielleicht, hast du dieses Gefühl auch schon einmal gehabt, hast einen Teil in deinem Leben in dem du meinst mehr geben zu müssen und dich dabei leider auch erschöpft fühlst…

Wenn ja, dann justiere doch mal nach! Es muss ja nicht sofort vollständig sein, aber Schritt für Schritt.

Wir sind die einzigen Menschen, die wirklich etwas in unserem Leben ändern können!

Ich lasse jedenfalls mal los und … fahre langsamer

Deine Rani

Mehr zu diesen Themen findest du auch in diesen Blogposts

Advertisements

3 Antworten zu „Das Ende der Leistungfähigkeit oder Die Frage nach den 100%“

    • Rani

      Liebe Brigitte, da geht es dir wie mir! 🙂 ich freue mich immer, wenn mir das Leben mal wieder zuwinkt, zwinkert und ich mich an diese wunderbaren Dinge immer wieder erinnern darf! 🙂

      Antwort
  1. wechselweib

    Ja, man muss erst lernen, hineinzuspüren, wo genau die Grenzen sind, was sich täglich ändern kann. Ich bin da auch am Ausprobieren… 🌈

    Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Einfaches HTML ist erlaubt. Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Abonniere diesen Kommentar-Feed über RSS

%d Bloggern gefällt das: