Erfolg durch Harmonie

„ich möchte doch nicht ausgelacht werden“ Warum ich Yoga-AnfängerInnen mutig finde

In einer meiner Uni Veranstaltung habe ich eine „ältere“ Dame kennen gelernt. Mitte, Ende 50, würde ich sie schätzten. Das Seminar beschäftigt sich mit „modernem Yoga“ und geht auf die neuere Yogaforschung in Bezug auf die sozial-historische Entstehungsgeschichte der verschiedenen „modernen“ Yogastile ein. Ein Faktum, dass ein paar YogalehrerInnen in diese Gruppe geführt hat. Eine von ihnen dürfte Werbung für ein Wiener Yogazentrum gemacht haben, denn im Gespräch, auf das ich hier Bezug nehmen möchte kam der Satz auf: „aber ich möchte dort nicht ausgelacht werden“. (So oder so ähnlich)

Ich saß daneben, also fragte ich warum sie denn ausgelacht werden sollte und ihre Antwort war: „na weil ich nicht so beweglich bin.“

Wenn viele Yogalehrerinnen zugegen sind, die dann das Wort ergreifen, halte ich mich lieber zurück. Es gab auch nicht den Rahmen adäquat zu antworten.

Das Gespräch ging mir jedoch nicht mehr aus dem Kopf.

Als ich ein paar Tage noch einmal darüber nachdachte kam mir (wie so oft) die perfekte Antwort in den Sinn, und zwar genau auf den Punkt gebracht:

Ich finde jeden mutig, der mit Yoga beginnt. Egal welches Alter.

Trotzdem es inzwischen einen riesigen Markt gibt – oder vielleicht deswegen? – ist es besonders für Anfänger meiner Meinung nach sehr schwierig einen passenden Yogakurs zu finden.

Zudem umweht Yoga noch immer eine Aura des mystischen und das Vorurteil, man müsse flexibel sein um Yoga zu praktizieren hält sich hartnäckig.

Praktisch niemand, außer TänzerInnen und SportlerInnen und ein paar hyperbewegliche (und das ist im Yoga KEIN Vorteil) ist bevor er/sie sich auf die Yogamatte wirft beweglich.

Die Beweglichkeit kommt DURCH die Bewegung. Durch Yoga und wirklich jede Bewegungsform die sich so ganzheitlich mit dem Körper beschäftigt wie Yoga. Pilates, Franklin Methode, Feldenkrais, Tai Chi, Qi Gong, und wie sie noch alle heißen. Ich habe mich dem Yoga verschrieben. Das ist ein Weg.

Ich sage immer: es gibt einen Körper, der funktioniert auf eine bestimmte Weise – welche Bewegung du machst ist unerheblich – solange du deinen Körper auf eine Art und Weise bewegst, die dir Freude macht und deinen Körper so bewegt und gesund hält.

Aber zurück zum Mut.

Jeder, der mit Yoga beginnt und sich in die Yoga-Szene wirft hat meinen tiefen Respekt, denn es wird immer schwieriger im Yogajungel eine passende Yogaform zu finden und dann auch noch einen passenden Kurs bei einer/m passenden YogalehrerIn, der/die kompetent, achtsam und aufmerksam, freundlich und sympatisch ist.

  • Die Yogastunde solle wenn möglich nicht zu anstrengend aber nicht unterfordernd sein.
  • Der/die Yogalehrende sollte ein Auge und Ohr dafür haben, wo die Stärken, Schwächen der SchülerInnen sind und möglichen Einschränkungen (durch Erkrankungen (des Körpers oder der Wirbelsäule)) passend begegnen.
  • Zudem sollte während der gesamten Stunde nicht nur der/die YogaschülerIn darauf achten, nicht (zu weit) über die eigenen Grenzen zu gehen, auch die Übungen (Asanas) sollten entsprechend aller Teilnehmer in Anpassungen angesagt bzw. angeboten werden.
  • Wenn in der Yogaeinheit der Spagat zwischen Könnern und Anfängern nicht zu groß ist macht die Stunde allen mehr Spass, es liegt allerdings schon auch an dem/der Lehrenden, Übungen anzuleiten, die alle in der Gruppe fordern und fördern.
  • Die Stunde sollte nicht zu schnell und nicht zu langsam sein, so dass man eine Ahnung davon bekommt was man da noch alles lernen kann, sich aber nicht vollkommen deplatziert fühlt auf den 2 Quadratmetern Gummi die unter einem liegen.
  • Auf jeden Fall sollte die Stunde Spass machen und die Lust auf mehr wecken.
  • Nach der Stunde sollte man sich erfrischt fühlen – besonders nach der Entspannung – Savasana! 🙂
  • Die Muskeln dürfen am nächsten Tag gut spürbar sein, ein totaler Muskelkater spricht jedoch dafür, dass entweder zu viel geübt oder zu wenig geatmet wurde.
  • Für mich ist eine Yogaeinheit dann vollständig wenn sie neben den Asanas, also den Körperübungen auch Pranayama, die Atemübungen und ausreichen Entspannung enthält. Sind meditative Elemente auch noch integriert – wundervoll! 🙂
  • Zum Yoga, so wie er heute unterrichtet wird gehört auch die Yogaphilosophie nach Patanjali. Die so genannte „Bibel“ der Yogis.
    Für mich gehört die Philosophie ebenfalls zur Stunde dazu. Meine Lebensweise hat sich verändert seit dem ich Yoga mache. Achtsamer sollte der Umgang werden – mit sich und der Umwelt – aber bitte nicht abheben und schulmeistern – wir lernen alle noch – deswegen sind wir hier. Ehrlichkeit, Selbstreflexion, Authentizität und Demut sind für mich wichtige Eckpfeiler in der persönlichen Weiterentwicklung. Diese schwierigen Themen häppchenweise und fast wie Staubzucker auf einem leckeren Kuchen in die Stunden zu bringen halte ich für eine wichtige und bereichernde Ergänzung der Yogaeinheiten. So, dass es da ist und jeder sich entscheiden kann, was er/sie davon mitnimmt.

Da sind schon einige Punkte zusammen gekommen.

Und nochmals komme ich zurück zum Mut.

  • Sich mit all seinen Zweifeln und Hemmungen in sportlich-bequemer Kleidung auf eine Yogamatte zu legen und sich trauen in diese neue Welt einzutauchen, die soviel verspricht und bereits ohne Vorkenntnisse so viele Bilder im Kopf erzeugt wie Yoga, ist unwahrscheinlich mutig!
  • Sich seinen Ängsten zu stellen weil man den Eindruck hat, jeder in diesem Raum könne Yoga sicherlich besser als man selbst.
  • Sich dem zu stellen, dass man als Mensch (und Frau) dazu tendiert eher darauf zu achten was  man kann, als auf das was man nicht kann.
  • Sich als Mann dem zu stellen, dass gefühlt viel mehr Frauen Yoga üben als man selbst.
  • Sich dem eigenen Schweinehund lächelnd gegenüber zu stellen und zu sagen, komm, ich probier das aus. Mach doch mit!
  • Den Mut zu haben etwas Neues auszuprobieren.
  • Den Willen, etwas für seine Gesundheit tun zu wollen – körperlich und geistig.
  • Die Zeit (!) sich 2h in der Woche nur für sich selbst zu nehmen (und nehmen zu wollen!)

Das alles sind für mich viele gute Gründe jedem, der mit Yoga neu beginnen will zu sagen: Wow! Gratuliere! Ich finde DICH großartig!

So, das war mal meine Antwort auf die Frage: werde ich da nicht ausgelacht?

Nein. Ich lache nicht.

Ich applaudiere.

Still

Im Yoga

aber ich applaudiere und ich freue mich über so viel Mut!

als Yogalehrerin

als eine, die nach 2 Lungentranplantationen immer wieder neu angefangen hat.

als eine ewige Yogalernende, deren weisester und bester Lehrer der eigene Körper ist.

verneige ich mich

und sage

Namasté

das Licht in mir, grüßt das Licht in dir.

Lass uns gemeinsam um die Wette strahlen.

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