Erfolg durch Harmonie

Niki Lauda’s Lunge – Gedanken & Meinung

Heute möchte ich meine Meinung zur Lungentransplantation von Niki Lauda teilen und zur öffentlichen Debatte zum Thema Organtransplantation in Österreich und Deutschland Stellung nehmen.

Zunächst einmal finde ich, dass die Öffentlichkeit, die das Thema Organtransplantation durch die Operation von Niki Lauda bekommen hat, schlicht großartig. Es wissen jetzt viel mehr Menschen über das Thema Bescheid und es gab eine grandiose Öffentlichkeitsarbeit seitens des AKH. Endlich gibt es ein größeres Verständnis dafür, was es bedeutet ein/e Transplant-PatientIn zu sein.

Im August 2018 gab es kaum eine Zeitung, die nicht mit der Nachricht getitelt hätte, dass Niki Lauda sich einer Lungentransplantation unterziehen musste. Wobei bei solch einer Operation die Formulierung „unterziehen“ eigentlich nicht ganz zutrifft, denn die Operation ist, zumindest in Wien, bereits „Routine“. Die ungewisse Zeit ist die Zeit danach, wenn es darum geht, ob der Körper das Organ annimmt. Doch auch das wurde durch die Berichterstattung klar, denn obwohl zunächst alles sehr positiv lief, traten die Komplikationen bei Niki Lauda auch später auf.

Besonders möchte ich hervorheben, dass ich in keiner Weise an einen Promi-Bonus glaube.

Ich selbst habe bei meiner ersten Transplantation im Juni 2010 erlebt, wie schnell alles gehen kann. Damals wusste ich lange nicht, ob ich mich für eine Lungentransplantation entscheiden sollte. Erst, als ich mitbekommen habe (und ich war mir überhaupt nicht bewusst, wie krank ich war), wie wenig Kontrolle ich (in so vielen Weisen) über mein Leben hatte, habe ich erst unterschrieben. Das war glaub ich um den 30. Mai. (!) Am 8. Juni hat meine Lunge versagt, ich wurde (wie Niki Lauda) als „high-urgency“ eingestuft und mir wurde von 10. auf den 11. Juni eine Doppellunge (beide Flügel) transplantiert.

Ich habe meinen 32. Geburtstag (11. Juni) verschlafen, genau wie die nächsten 2 Wochen.

High-urgency“ bedeutet, der Patient stirbt binnen kürzester Zeit, wenn er/sie kein neues Organ erhält.

Ich habe fast ebenso kurz gewartet wie Niki Lauda – ohne Promi-Bonus.

Einfach weil die Ärzte, Pfleger, Schwestern und so viele andere im AKH ihren Job so großartig machen und die Fähigkeit haben, Leben zu retten.

Natürlich gibt es neben einer reihe an Untersuchungen auch Auflagen, die erfüllt werden müssen wie z.B. dass gewährleistet sein muss, dass der Patient psychisch und physisch dazu in der Lage ist, mit dem transplantierten Organ leben zu können – und zu wollen. Das Gewicht und die Fitness spielen eine große Rolle, denn ohne dass man sich fit hält und ein gesundes Leben führt (Ernährung, Sport, Nicht-rauchen, genügend Ruhe, wenig Stress), hat man wenig und vor allem nicht lange Freude an dem Leben mit dem neuen Organ.

Ich selbst meditiere seit 10 Jahren und mir hilft das immens um mit allen Ängsten, Zweifeln, Sorgen, Freuden und Veränderungen umzugehen, die in meinem Leben auftauchen… und auch abtauchen.
Besonders während der Wartezeit für die zweite Transplantation im Juli 2018 hat mir diese Praxis besonders geholfen, aber jede/r findet da seine eigene Strategie.

Nachdem ich seit 13 Jahren AKH-Patientin bin, die Ärzte und viele Lungentransplantierte kenne, bin ich überzeugt, dass wenn die Ärzte nicht 100% daran geglaubt hätten, dass es sich hinsichtlich seines Überlebens „lohnt“ Herrn Lauda zu operieren, sie hätten sich nicht dafür entschieden.

Dass es überhaupt die Möglichkeit gibt, Menschenleben mit solch einer Operation zu retten ist unfassbar wunderbar! Ich bin dankbar in Österreich zu leben, wo sowohl die Forschung als auch die Politik hinter dieser Methode stehen und es dank der Widerspruchsregelung möglich ist, wirklich viele Menschenleben zu retten.

Hinter jeder Geschichte steht oft so viel Leid, Angst aber auch Mut und Liebe zum Leben, dass man es sich gar nicht vorstellen kann. Aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich auch, dass man sich Todesangst nicht vorstellen kann. Diesen Zustand, in dem einem bewusst wird, wie endlich das Leben ist, und man den Tod spüren kann. Ich habe, glaubte ich, keine Angst vor dem Tod. Für mich ist er nicht das Ende, oder zumindest nur das Ende meiner Existenz in diesem Körper. Wie sehr ich doch an dieser Form und an diesem Leben hänge, habe ich aber erst so richtig bemerkt, als ich erlebt habe, wie wenig Kontrolle ich darüber habe, wann ich sterben werde. Für mich wissen die, die sagen/meinen, sie wüssten jetzt zu 100% dass sie sich gegen eine Transplantation entscheiden würden, aus dieser Erfahrung heraus, nicht wovon sie sprechen.

Wenn man niemals so krank war, oder jemals jemandem beim Sterben an einer schweren Krankheit begleitet hat, wenn man nie auf medizinische Hilfe angewiesen war, oder erlebt hat, wie Krankheit das Leben beeinflusst. Wenn man nie erlebt hat, wie es ist, an einer Krankheit zu leiden, die nicht geheilt werden kann, der/die kann es auch nicht begreifen. (und das ist gar nicht böse gemeint… dieses und andere Erleben sind einfach ganz besonders heftig…) Empathie und Mitgefühl helfen, aber wirklich vorstellen kann man sich das einfach nicht. Und auch das ist bitte kein Vorwurf! Ich schreibe das hier nur, um zum Nachdenken anzuregen und sich nicht von Ängsten und Halbwissen überschwemmen zu lassen!.. und vielleicht auch, um an ein Mitfühlen zu appellieren.

Ja, die Organe stehen nur zur Verfügung, wenn ein Mensch gestorben ist, und zwar auf eine Weise, die die Medizin nicht aufhalten oder ändern kann. Ich finde, es gehört noch mehr aufgeklärt, denn außer den religiösen Gründen um einen Menschen sterben zu lassen, obwohl man ihn mit einer OP retten könnte, ist es meiner Meinung nach „nur“ Angst, die uns in die schrecklichsten Bilder tauchen lässt. Angst und Unwissenheit – eine Kombination die die Menschheit nicht erst einmal hat unbedarfte Handlungen hat begehen lassen…

Der Tod wartet auf uns alle. Manche dürfen ein wenig länger leben, andere gehen früher. Ich habe allerdings noch niemanden kennen gelernt, der nicht glücklich und vor allem unendlich dankbar gewesen wäre für seine geschenkte Lebenszeit.

Medien:
Organspende ja bitte. Lungentransplantierte erzählen. Autorin: Andrea Beer (ARD-Radio)
ARD Studio Wien

Der Artikel: https://www.ard-wien.de/2018/09/04/organspende-ja-bitte-lungentransplantierte-erzaehlen/
Der Beitrag: https://soundcloud.com/ard_studio_wien/organspende-ja-bitte-lungentransplantierte-erzahlen-autorin-andrea-beer

Niki Lauda, jetzt sprechen die Ärzte – Pressekonferenz in Wien
Leider zeigen die Kommentare unter diesem Video die ganze Grauslichkeit der Menschen, Gier, Neid, Mitleidslosigkeit, Missgunst, …

Mein Video: Lungentransplantation in Österreich

Ganz wichtig: der Umgang mit (Lungen)Transplantierten PatientInnen

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