Erfolg durch Harmonie

Empfehlungen für Yoga bei Lungenhochdruck (für Yogalehrende)

Vor einigen Tagen erreichte mich eine Anfrage einer Yogalehrerin wie sie denn Yoga für PH-PatientInnen umsetzen könnte.  Sie war auf der Suche nach Yoga mit Lungenhochdruck (Pulmonale Hypertension = PH) im Internet auf mich gestoßen. Ihre ersten Ideen waren Atem- und Entspannungsübungen und sie hat mich gefragt, was ich dazu meine und was ich empfehlen würde.

Zu der Frage fielen mir gleich einige Dinge ein, und ich wollte ihr gleich antworten, doch ich habe gezögert. Diese Fragen werden und wurden mir immer wieder gestellt und es ist auch nicht ganz so einfach sie zu beantworten. Aus diesem Grund habe ich mich dazu entschlossen, einen Artikel darüber zu verfassen. In diesem fasse ich meine Gedanken und Erfahrungen zusammen, die sowohl als PH-Patientin (2005 bis 2010) als auch als Yogalehrerin (seit 2008) sammeln durfte.

Grundsätzlich finde ich diese 3 Punkte besonders wichtig:

  1. Beginne mit Körperübungen
  2. Ergänze mit passenden Atemübungen
  3. Körperübungen entsprechend der Möglichkeiten anpassen – sei kreativ!

Die Diagnose

Für alle, welche die Diagnose Lungenhochdruck nicht kennen ein paar Fakten. (Genauer hier)

Beim Lungenhochdruck (PH) verengen sich die Blutgefäße in der Lunge. Dadurch kann weniger Blut in der Lunge aufgenommen werden, als Herz zur Sauerstoffanreicherung in die Lunge pumpen möchte. Da zu wenig Platz da ist, gibt es einen Rückstau der die Drucke zwischen Herz und Lunge erhöht. Die rechte, kleinere, Herzhälfte vergrößert sich. Dies führt langfristig zu (möglichem) Rechtsherzversagen und so zum Tod. Lungenhochdruck hat sehr viele verschiedene Ursachen und es gibt kaum zwei gleiche Fälle. Er kann durch eine Lungen- ebenso wie durch eine Herzerkrankung entstehen. Die Krankheit kann bereits gleich nach der Geburt auftreten oder erst im jungen Erwachsenenalter auftreten, bzw. diagnostiziert werden. PH gehört zu den seltenen Erkrankungen, und wird oft sehr spät erkannt. Der Leidensweg von PatientInnen ist lange, weil sie gesund aussehen und es vorkommt, dass ihnen ihre Symptome niemand glaubt. Leider. Erst ein bereits deformiertes Herz kann im EKG „gelesen“ werden. Die Diagnose selbst kann erst mittels Rechtsherzkatheter sicher bestätigt werden. Die gute Nachricht ist, dass die medikamentöse Behandlung wird immer besser wird. Geheilt werden kann die PH bisher noch nicht.

Yoga für PH

Damit du meine Denkweise besser verstehen kannst, möchte ich hier noch meine Definition von Yoga formulieren:

Yoga ist ein Weg, der mir hilft mich und mein Leben besser zu verstehen
und allen Herausforderungen mit viel Liebe und offenem Geist zu begegnen.

1. Körperübungen

Vielleicht klingt das jetzt unlogisch, weil Atem- und Entspannungsübungen als einfacher verstanden werden. Grundsätzlich habe ich das früher auch gedacht. Ich meinte, dass er Fokus für Yoga bei Lungenhochdruck bei den Atem- und Entspannungsübungen liegen müsste. Auch weil sie mir persönlich so sehr geholfen haben. Was ich aber in meiner Tätigkeit als Yogalehrerin gelernt habe ist, dass es der Körper ist, bei dem wir beginnen müssen, und dass ich selbst ebenfalls diesen Weg gegangen bin. Erst wenn ich meinen Körper kenne und diesen aktiv entspannen kann, fällt mir die Entspannung leichter.

Ich habe erkannt, dass die Menschen durch die moderne Lebensweise, vollständig den Kontakt ihrem Körper verlieren. Der Körper wird nur noch wahrgenommen, wenn er schmerzt oder nicht mehr so funktioniert wie er „soll“. Er wird als selbstverständlich erachtet, zu wenig geliebt, (daher) zu wenig gepflegt. Der Körper wird gemessen, gewogen, gemartert, entweder zuviel oder zu wenig bewegt. Von den ungesunden Essgewohnheiten möchte ich hier gar nicht zu sprechen beginnen, wobei eigentlich klar sein müsste, dass wir aus dem bestehen, was wir essen. Nahrung ist die Quelle unserer Energie und aus den zerkleinerten Teilen werden unsere Zellen aufgebaut … und wir bestehen aus vielen Zellen.

Als kranker Mensch verliert man sehr schnell das Vertrauen in den eigenen Körper und im medizinischen Umfeld auch sehr schnell in das eigene Gefühl. Man lernt sehr schnell was nicht geht und versäumt darauf zu achten, was alles noch heil ist am eigenen Körper.

Das Vertrauen in den eigenen Körper wieder herzustellen ist ein wesentlicher Bestandteil für den Weg zum „heil werden“.  Es ist wichtig, den Körper wieder als positiven Teil von sich zu erleben, der einen nach wie vor durch das Leben trägt und auf unglaubliche, fantastische Weise funktioniert! Das ist wichtig, um positiv zu bleiben. Aus diesen Gründen empfehle ich, mit sanften Körperübungen zu beginnen.

Wie Üben funktionieren kann

Übungen im Sitzen sind für alle geeignet. Und ich meine auf Sesseln, nicht am Boden!
Ich finde Sessel mit einer geraden Lehne optimal, denn diese kann man in die Übungen einbauen. Hocker ohne Lehne haben auch Vorteile, wenn aber das Bedürfnis da ist, sich ab und zu auszuruhen, würde ich immer die Sessel mit Lehne bevorzugen. (Im Iyengar Yoga gibt es eigene Yoga-Sessel. So ähnliche Sessel sind optimal) Das Üben im Stehen ist anstrengender und das Üben im Liegen für manche gar nicht möglich. Ich empfehle immer nachzufragen was er/sie sich zutraut und wie es – vor allem zu Beginn – am angenehmsten ist.

Mit sanften Übungen, auf die ich später noch zurück komme, lernt der Mensch seinen Körper kennen, sieht Möglichkeiten und weniger Einschränkungen. Ziel sollte es sein Yoga als ein Tool zu erkennen, mit dem man sich selbst helfen kann, wenn es irgendwo „zwickt“.

Die Übungen sollten zudem auch immer angepasst werden an das was gerade notwendig ist, sprich: da wo es unangenehm ist, da wo Leiden ist, da soll Erleichterung geschaffen werden. Dabei ist es nicht wichtig viele Übungen zu geben, es ist wichtig, die richtigen Übungen zu finden und nur so viele wie man sie sich auch merken kann! Der Schlüssel zum Erfolg ist regelmäßiges Üben. Wenn der Patient sofort etwas gegen ein Unwohlsein tun kann, hat er sofort an Lebensqualität gewonnen, und darum geht es. Sich wohler zu fühlen und handlungsfähig zu sein um nicht in die Ohnmacht zu kommen, der Krankheit vollkommen ausgeliefert zu sein.

Ein wichtiger Satz ist: Ich bin nicht meine Krankheit.

Entspannungsübungen

Die Entspannungsübungen gehören definitiv zu den Körperübungen dazu. Körperliche Entspannung ist etwas, dass wir lernen (müssen). Nicht nur die steigende Anzahl an Menschen, die an Schlafstörungen leiden, beweist, wie schwierig loslassen ist. Viele Menschen werden nervös, wenn sie sich entspannen „müssen“ oder sollen. Wenn der Körper still wird, werden die Gedanken laut. Nicht zu tun, daran sind wir nicht gewöhnt. „Nichts tun“ ist zur Herausforderung geworden und los-lassen wird an den Schulen nicht unterrichtet.

Wenn man allerdings gerade eine Übung gemacht und den Körper bewegt, gedehnt oder angespannt hat, dann fällt die Entspannung leichter. Und wenn die Entspannung beim Körper beginnt, kann ich sie sehr rasch als positiv erfahren.

Ich empfehle beim Körper zu beginnen, weil er etwas ist das man be-greifen kann. Der Körper ist wunderbar dazu geeignet, Entspannung zu lernen. Über die körperliche Entspannung ist es auch leichter, zu einer geistigen Entspannung und so zu einer tiefen Ruhe finden können. Das bewusste „sich-entspannen-können“ ist auch hilfreich, wenn man sich im Krankenhaus in stressigen Situationen wiederfindet. Habe ich gelernt mich zu entspannen, kann ich dieses Wissen auch in Momenten der Angst oder des „Überfordert-seins“ anwenden.

Meine Empfehlung ist, nach den Übungen mit kurzen Entspannungs-Sequenzen zu arbeiten. Wenn der Körper aktiv war, kann man das Loslassen nun deutlich wahrnehmen. Einfache Übungen und diese wiederholen. Es ist so einfach! Leider bleibt oft das Einfache gerne unbeachtet, es birgt aber sehr viele Möglichkeiten! Und: Es darf auch einmal einfach sein! 

Alles darf sein

Um Entspannung zu lernen, ist es auch hilfreich, „laut“ zu beobachten was passiert. Der Patient spricht laut aus was er/sie spürt. Wo spüre ich was und wie fühlt es sich an? Diese Technik hilft der/dem Patienten/in zu lokalisieren, zu benennen und festzustellen, dass alles ok ist sowie, wie sich An- und Entspannung – in den einzelnen Körperteilen und im ganzen Körper – anfühlen.  Es hilft auch dem Yogalehrer/der Yogalehrerin, weil man sofort mitbekommt, wie die Übungen ankommen und man kann besser darauf eingehen, und unterstützen wenn etwas unangenehm ist. Ich empfehle diese Übung sowohl bei den Körperübungen, also auch bei der Entspannung anzuwenden. Wenn es besonders schwer fällt, zu entspannen, hilft es vielleicht, wenn man alles sagen kann, was einem ein- und auffällt. Alles wird alles gleich „normaler“ wenn man merkt, dass man nicht der/die einzige ist, dem/der es so geht.

Wie wird geübt?

Bei PH ist es wichtig, den Körper kräftig zu halten, ohne außer Atem zu geraten. Das ist bei allen PatientInnen unterschiedlich. Hier ist es wichtig, ein Ziel zu definieren. Je nach dem, kann entschieden werden, „dynamisch“, also in Bewegung, oder „statisch“, also passiv, zu üben. Dynamisch hat aber nichts mit Schnelligkeit zu tun! Die Bewegungen können auch sehr langsam und achtsam durchgeführt werden. Der Atem als Indikator für mein Üben.

Beim Atmen empfehle ich folgende Stufen
1) den Atem ruhig fließen lassen: Achtsamkeit auf die Frage: atme ich noch?
2) den Atem beobachten: wie atme ich und wie verändert sich der Atem?
3) den Atem langsam kontrollieren: in einem ruhigen, für mich angenehmen Rhythmus atmen
4) Den Atem der Bewegung anpassen – Einatmen und Ausatmen im auf und ab der Bewegung

Auch die Übungen im Yin-Yoga-Stil zu üben ist eine schöne Möglichkeit, wobei das lange Halten auch anstrengend werden kann. Wenn Entspannung noch unbekannt ist, könnte man hier die gesprochene Beobachtung integrieren.

2. Atemübungen

Im Yoga lernt man, den Atem mit der Bewegung zu koordinieren. Das ist auch etwas sehr schönes, aber leider auch etwas, von dem man als YogalehrerIn leicht vergisst, wie lange es gedauert hat, sich z.B. beim Sonnengruß die Abfolge zu merken und dann die ewige Frage in der ersten Zeit: Wie war das nochmal mit der Atmung? Wann muss ich ein- und wann muss ich ausatmen?

Um Atemübungen konzentriert durchführen zu können, ist es erforderlich, möglichst lange schmerzfrei aufrecht sitzen zu können. Solange ich mich in meinem Körper nicht wohl fühle und mein Atem für mich unkontrollierbar ist, sind Atemübungen immer eine Qual sein – UND – wenn ich immer nur gegen meinen natürlichen Atem atme – auch ungesund!

Eine erste Hürde ist überwunden, hat man gelernt sich zu bewegen und dabei den Atem nicht anzuhalten. Wenn die Bewegungsmuster erst einmal „gespeichert“ sind, kann man sich ganz in Ruhe dem Atem zuwenden. Da der Atem bei PH das „Problem“ ist, ist eine einfache, ruhige Atmung und das Erkennen von Atemmustern, wie z.B. das Anhalten des Atems in Stresssituationen, die erste große Lernaufgabe, die zu meistern ist.

Zwischen-Atmen ist eine absolute Notwendigkeit wenn ich mit Lungenhochdruck (oder einer anderen Lungenerkrankung) Yoga übe. Atemkontrolle, also Pranayama, hat nichts damit zu tun den Atem mit Gewalt zu unterdrücken! Meine grundsätzliche Empfehlung also auch hier: Je einfacher, desto besser!

3. Übungen

Ich werde hier aus mehreren Gründen keine speziellen Übungen anzeigen. Jetzt ist der/die YogalehrerIn in seiner/ihrer Kreativität gefragt. Die Übungen werden zudem unterschiedlich sein, je nachdem mit wem man arbeitet. Außerdem würde der Artikel zu lang! Ich habe aber bereits einige Artikel zum Thema sanftes Yoga und Yoga bei PH veröffentlicht, die Links dazu sind weiter unten angeführt.

Die Grundregel ist wieder: je einfacher desto besser.

Yogaübungen für PH PatientInnen

  • Gelenk-Mobilisierung (Finger, Hände, Handgelenke, Zehen, Füße, Fußgelenke, Kiefer!)
  • Nacken- und Augenübungen!
  • Schulter-kreisen (mit und ohne Arme = Kraft!)
  • BWS-Mobilisation durch Drehung (Tipp: Kundalini-Yoga, Yin-Yoga)
  • Hüftöffnungen (helfen der WS im Gesamten und speziell dem Schulter- und Nackenbereich)
  • Beine nicht vergessen – Eine sanfte Kräftigung hilft, dass der Körper nicht so schnell müde wird, wenn man gehen muss

Atemübungen

  • Atembeobachtung (mit Händen auf Brustkorb und Bauch wenn möglich)
  • Atem zählen – wie lange sind meine Atemzüge?
    • Später: den Ausatem verlängern (doppelt so lang)
  • Brahmari
  • A-Tönen
  • Später: einfache Wechselatmung im eigenen Rhythmus

Diverse Links

Hilfreiche Bücher & DVD’s

  • Asana Pranayama Mudra Bandha von Swami Satyananda Saraswati
  • Yoga auf dem Stuhl, von Edeltraud Rohnfeld
  • Das große Yoga-Therapiebuch, von Remo Rittiner
  • Yoga, von Tara Stiles
  • Flow Yoga, von Beate Cuson
  • Kraft in der Dehnung, von Kurt Mosetter
  • Kundalini-Yoga für Chakren, Maya Fiennes (DVD-Set)
  • Yogatherapie, von Ursula Karven (überraschend gutes DVD-Set)
  • Yoga Anatomie 3D, Ray Long

Bereits veröffentlichte Artikel zum Thema Yoga mit PH und Atmung:

Weiterführende Links zum Thema PH (Fokus Österreich)

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