Erfolg durch Harmonie

Der Tod und das Leben

Endlich ist es soweit – die Muse hat mich gepackt und ich bin voller Ideen um endlich über ein Thema zu schreiben, das mir schon so lange auf dem Herzen liegt – der Tod und das Sterben.

Und zwar aus dem Gefühl heraus, dass das Leben wundervoll ist und dass jeder Moment es wert ist in seiner Ganzheit gelebt zu werden!

Motiviert hat mich dafür jetzt schließlich der Post einer lieben Bekannten die ihren Kampf gegen den Krebs gewonnen hat – oder soll ich sagen ihren Tanz mit dem Krebs beendet hat – und sich jetzt sehr stark mit Spiritualität beschäftigt. Sie schrieb: „Der Tod gehört zum Leben und doch macht er uns Angst. Wenn wir beginnen darüber zu sprechen, wird er um vieles leichter
Mein Kommentar dazu war: .. ich hatte keine Angst vor dem Tod bis er „angeklopft“ hat… es ist schwierig, denn ich weiß (nach meinen Erfahrungen) dass der Tod nicht schlimm ist – Ich glaube es ist eher die Angst das Leben loszulassen, als die Angst vor dem Tod selbst. Vielleicht auch die Angst vor dem, was wir nicht kennen – weil wir alle in der Illusion leben zu wissen was in der nächsten Minute passieren wird… „Todesangst“ ist ein schreckliches Gefühl… sterben ist leichter…

Und diese Gedanken schwirren mir nun durch den Kopf – es ist Zeit Ihnen Raum zu geben.

Der Tod und das Leben, Schöne Gedanken über Lebensfreude und TodesangstDas Leben im Tod erkennen

In unserer Gesellschaft ist der Tod ja nicht gerne gesehen, er wird ausgeblendet, nicht gezeigt, es wird nicht darüber gesprochen und so hatte ich zwar schon erlebt, dass Menschen aus meinem Leben gegangen sind, mein Opa und eine besondere Frau die mir in meiner Jugend viel geholfen hat, einer meiner ersten „Engel“ wenn man so möchte. Der Tod war mir nicht bekannt. In dunklen Momenten habe ich viel über ihn nachgedacht, aber da war er meine Entscheidung und das ist auch wieder ein anderes Erleben. Kurz – im Leben als Kind, Teenager oder junger Erwachsener ist der Tod uns so fern wie er nur irgendwie sein kann… Er ist niemals Teil von uns, dabei wäre es so wichtig sich mit der Endlichkeit zu beschäftigen um das Leben als das Wunder erkennen zu können, das es ist.

2005 bekam ich die Diagnose Lungenhochdruck. 4. Stadium. Ich hab natürlich sofort gegoogelt. Böser Fehler, denn da stand: Lebenserwartung ab Diagnose ca 1 – 1,5 Jahre. Das war schon sehr heftig. Meine erste Reaktion war: Kampf – dem stell ich mich! Ich kämpfe – bis zum Schluss.

Heute erkenne ich, ich hatte damals nichts verstanden – weder das Leben noch den Tod.

„Die Angst vor dem Tod ist Angst um das Leben“

Jedenfalls hat mich das aber auf den Weg gebracht. 5 Jahre später war ich fast nur noch im Krankenhaus. Die Frage ob ich eine Transplantation „will“ stellte sich mir nicht. Ich war noch immer fest überzeugt einen Weg zu finden um aus eigener Kraft eine Heilung zu erreichen oder … mir ein Wunder zu wünschen.

In der Zwischenzeit hatte der Druck zwischen meinem Herzen und meiner Lunge allerdings so stark zugenommen, dass mein Herz bereits vollständig deformiert war – die rechte Herzhälfte auf das doppelte angewachsen, drückte die linke Herzhälfte zusammen … und der Effekt waren Aussetzer.
Mein Herz setze immer wieder kurz aus – und das Gehirn drückt dann kurzfristig die „Reset-Taste“ Medizinisch nennt sich das Synkope (für alle die das näher interessiert – der Wiki-Link). Ich hab das meistens nach einer Anstrengung gehabt und mich sogar daran gewöhnt. Wenn ich gespürt habe, dass es mir komisch wird, habe mich hingelegt um nicht hinzufallen und bin dann nach ein paar Sekunden (Minuten?) wieder aufgewacht. Meistens alleine.

Das Gefühl, das ich hatte wenn ich weg war, war eigentlich ganz schön, hell und warm. Beim Zurückkommen hat es sich hart und kalt angefühlt. Ich habe mir zusammengereimt, dass der Tod sich vermutlich sehr ähnlich anfühlt, also warm und hell. 🙂

Als ich bei meinem vorletzten Aufenthalt im Krankenhaus allerdings ohne „Vorwarnung“ auch schon im Liegen synkopiert bin, hab ich wirklich Angst bekommen – das war Todesangst – sicher eine der schlimmsten Erfahrungen, die man haben kann, denn egal wie sehr man sich vor etwas fürchtet – diese Angst ist pur, unverdünnt, nackt.

„Wenn man sich vor dem Tod fürchtet, hat man nicht Angst zu sterben, sondern darum das einzige zu verlieren, was einen hier auf dieser Welt hält – das Leben.“ Rani Gindl

In diesem Moment habe ich beschlossen, dass ich leben will! – Und habe mich für eine Transplantation entschieden – fast zu spät, denn 3 Wochen später hat meine Lunge nicht mehr geatmet.

Der Weg dahin war sterben. Das Nachlassen des Körpers zu spüren, atmen bereitete mir Schmerzen. Leben war anstrengend. Dieser Prozess des Sterbens war nicht schön.

An alles danach, also den Tod, – ich weiß nicht, wie dieser Zustand heißt, wenn man von Maschinen am Leben gehalten wird – daran erinnere ich mich nicht mehr. Und ich bin dafür auch sehr dankbar, denn ich hatte keine Kraft mehr.

Das nächste das ich weiß ist, dass ich nach ca 3 Wochen wieder aufgeweckt wurde.

Zurück im Leben ist der Tod ein Freund

Ich habe mich nach all diesen Erlebnissen einmal ausgiebig mit dem Leben beschäftigt und das war auch nicht schwer, denn es floss wieder freudvoll durch meinen Körper! Es war, als würde alles vor Freude beben und zittern, die Kraft wurde mehr, ebenso wie die Energie! – Es war wie Frühling! So wundervoll! Wenn man wieder Atmen kann, macht man sich wenig Gedanken über den Tod – ich hatte ihn „besiegt“ – oder zumindest Zeit herausgeschlagen…

Trotzdem beschäftigten mich immer wieder Gedanken daran, was passieren würde, wenn die Lunge nicht mehr funktionieren würde – jedes transplantierte Organ hat ein Ablaufdatum – und das heißt zurück zum Start, zurück ins Leid, zurück zur Anstrengung, hinein in eine neue Situation, unbekannt, beängstigend, neu. Ich habe diese Gedanken auch nicht weg geschoben, denn sie gehörten zum Prozess des Heilwerdens dazu. Diese Gedanken waren und sind Teil von meinem neuen Selbst. Ich habe sie akzeptiert, weil ich spürte, dass es wichtig war sich auch darüber klar zu werden, dass selbst wenn das auftreten würde, ich mich wieder und wieder für das Leben entscheiden würde. Und, dass das Leben weiter gehen würde – auch wenn ich zum damaligen Zeitpunkt noch nicht wusste wie.

Was von uns übrig bleibt wenn die Seele geht

Inzwischen glaube ich, dass Todesangst etwas ist, dass man nicht wirklich steuern kann. Vielleicht ist es anders wenn „die Zeit“ gekommen ist. Ich habe vor zwei Jahren den Tod meiner Großmutter miterlebt. Genauer gesagt ihr Sterben. Sie hatte mir einmal erzählt, dass sie „wie ihre Eltern“ sterben würde. Beide waren bis ein paar Tage vor ihrem Ableben noch fit, dann wurden sie krank, haben sich ins Bett gelegt, noch ein paar Tage gelebt und sind dann gestorben. Meine Großmutter war ca. 2 Wochen im Spital. In dieser Zeit haben alle ihre Sinne, ihr Gehirn, ihr Körper abgebaut. Man konnte dabei zusehen wie sich Stück für Stück ihre Persönlichkeit verabschiedete.

An dem Tag an dem sie starb war ich am Weg sie zu besuchen als ich von meiner Mutter hörte, dass sie gestorben ist. Ich bin trotzdem noch hingefahren um mich zu verabschieden. Den toten Körper meiner Großmutter zu sehen war irgendwie tröstlich, denn es war wirklich nur noch eine Hülle. Das war nicht mehr „meine Oma“ die da lag – es war der tote Körper einer „guten Seele“. Ihre ganze Energie, alles was diese Frau zu meiner Großmutter gemacht hatte war nicht mehr verbunden mit dem Körper der da lag.
Ich war glücklich zu wissen, dass sie nicht lange leiden musste, dass sie nicht an Maschinen gebunden auf den Tod gewartet hat, sondern „er“ sie abgeholt hat, als sie bereit war zu gehen.

Ich denke gerade: Kann man unpersönlich über den Tod schreiben? Ich kann es wohl nicht. 

Der Tod als Meister für das Leben

Was ich denke ist, dass wir in dem Moment keine Angst mehr vor dem Tod haben, sobald wir uns vom Leben verabschieden können und wissen, dass wir gelebt haben und alles so gut gemacht wie wir es irgendwie konnten.

Ich glaube die Angst vor dem Tod ist in Wahrheit ein „nicht-loslassen-können“ vom Leben.

Wir leben unsere Leben immer auf etwas hin. Selten ist der aktuelle Moment der wichtigste, wir denken immer morgen, oder wenn x dann y, wenn ich das erreicht, das gemacht, das geschafft habe, in Pension bin, … DANN lebe ich.

Aber ist es dann nicht zu spät?

Wie viel Leben können wir in 20 Jahre packen dass wir 60 Jahre nicht getan haben?

Das JETZT, genau dieser Moment – das wissen und spüren wir – ist alles was wir haben. Und trotzdem denken wir oft nur daran, wie wir ein „später“ zu dem machen können was wir uns erträumen. Sind die Momente die wir erleben so schlimm? Ist das Leben das wir führen uns so wenig wert zu leben dass wir immer nur an später – oder auch an früher denken?

Das Leben leben

Ich höre mich in anstrengenden Momenten gerade immer wieder sagen „das werde ich nicht vermissen“. Als ich das das neulich wieder sagte, habe ich begonnen darüber nachzudenken was das eigentlich bedeutet. Seit Anfang Jänner warte ich auf eine neue Lunge. Wie lange das Warten noch dauern wird kann mir niemand sagen und ich habe mich gefragt, ob ich später, wenn das alles vorbei sein wird, wirklich an eine Zeit zurückblicken möchte, in der ich mich nur darauf konzentriert habe was ich nicht mehr vermissen werde.

Wäre das nicht eine Art des Sterbens? Wäre das nicht Stillstand und gleich Tod?

Ich habe nun beschlossen, den Dingen mehr Aufmerksamkeit zu geben die ich noch genießen kann. Genießen was noch möglich ist, was nur JETZT gerade oder eben wegen dieses besonderen Zustands möglich ist. Dinge, die ich später, nach einer Transplantation, an dieser Zeit auch vermissen werde.

Da Leben hat zwei Seiten

Was tun wir wenn wir immer nur daran denken wie wir leben werden wenn das oder jedes geschieht? Wie viel Leben ist in unserem Sein und wie viel Tod, wenn wir uns dem Moment entziehen der gerade in unseren Händen liegt? Dieser Moment ist das Einzige, was uns je wirklich gehören wird.

Jeden einzelnen Moment mit Leben zu füllen ist glaube ich das Geheimnis das wir lösen müssen, wenn wir die Angst vor dem Tod überwinden wollen.  Der Tod gehört zum Leben dazu – wir kommen alle mit Ablaufdatum auf die Welt – jedes Neugeborene trägt in sich bereits sein Ende – und dazwischen ist – das Leben…

Jeder Moment der vergeht, ist ein kleiner Tod.

Jedesmal wenn wir uns niederlegen und schlafen, jedes Ausatmen  ist ein Loslassen… aber ohne den nächsten Moment gibt es kein Leben, wenn wir nicht schlafen können wir nicht wieder aufwachen, wenn wir nicht ausgeatmet haben, können wir nicht wieder einatmen, wir müssen loslassen um zu leben. Sind wir uns dieses Zyklus bewusst, so ist das Leben meiner Meinung nach vollständig. Es ist nicht nötig immer daran zu denken, dass wir sterben werden, aber sich öfter einmal bewusst zu werden dass wir leben wird uns ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit und Freude bescheren.

Der Tod gehört zum Leben dazu. Alles ist ein Zyklus in dem entsteht und vergeht – ist das nicht wundervoll? Jeder Moment ein Geschenk des Lebens an uns! Der Tod erinnert uns daran, dass wir dazu da sind das Leben zu leben, bewusst, achtsam und auch Zeiten mit Liebe und Dankbarkeit zu durchleben, die uns alles abverlangen, die uns dazu zwingen und bringen, die Schattenseiten des Lebens zu erforschen und aus ihnen gestärkt und mutig weiter zu gehen.

Ich will leben – sehr gerne noch sehr lange und wenn möglich so gesund wie das eben geht… trotzdem umarme ich den Gedanken an den Tod wie einen lieben Freund denn das hilft mir dabei, noch intensiver zu genießen was ich habe – trotz aller Anstrengung – das Leben.

 

Danke, dass du diesen Artikel gelesen hast!

Ich wünsche dir viel Leben in deinen Momenten und freue mich, wenn meine Gedanken etwas in dir auslösen, denn das bedeutet, ich konnte etwas in dir berühren!
Ich freue mich, wenn du deine Gedanken mit mir teilst! – wenn du das nicht öffentlich machen willst – notiere das einfach in den Kommentar!

Om Shanti & Namasté

Rani

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2 Antworten zu „Der Tod und das Leben“

  1. Kathi

    Liebe Rani!
    Deine Worte berühren enorm. Nicht viele von uns erleben den Tod in jungen Jahren so nah wie Du es durch Deine Krankheit erlebt hast. Und ja, der Tod macht Angst: der eigene und auch der von anderen geliebten Menschen. Aber als angehende Buddhistinnen wissen wir, dass es um Verlustangst geht und die nur dann so stark auftritt, wenn man sich an „Dinge“ klammert, das heißt dass man sich abhängig macht von eigenen Vorstellungen, Wünschen, etc… Es geht daher um das Bewusstsein der (eigenen) Vergänglichkeit. Und dass auch die schönen Sachen leider wieder vorbeigehen. Wer clever ist, will die Welt nicht anhalten und weiß um die Möglichkeit des sofortigen Todes bescheid. Das geht nur, wenn man sich intensiv damit auseinandersetzt. Und dabei, bist Du liebe Rani schon 1000 Mal besser vorbereitet als die meisten Menschen:-*

    Antwort

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