Yoga im Alltag üben – Teil 1 – Der Yogapfad des Patañjali

„Lust aufs Leben“ hat einen Artikel mit dem Titel: „Der Alltag als Fitnesscenter“ veröffentlicht. Ein kurzer, knackiger Artikel der dazu motivieren soll sich mehr zu bewegen und ich dachte mir: „Hey! das geht doch auch mit Yoga!

Natürlich denken die meisten Menschen vermutlich zuerst an Āsanas, die Körperübungen und das Netz ist inzwischen voller Bilder von Menschen im Alltag die Yoga üben, also Āsanas „machen“.  Das ist aber nicht Yoga wie ich ihn meine! Natürlich sind die Körperübungen ein (wichtiger) Aspekt des Yoga und vermutlich deshalb so beliebt, weil der Aspekt der körperlichen Bewegung in unserer Gesellschaft definitiv zu kurz kommt. Ich beziehe mich in diesem Artikel zur täglichen Praxis des Yoga jedoch nicht auf die Körperübungen sondern möchte einen Einblick in den ganzheitlichen Ansatz des Yoga geben und euch den achtgliedrigen Pfad von Patañjali vorstellen, einem Gelehrten der ca. 2. – 4 Jhdt. v. Chr. in Indien gelebt hat und uns in seinen Sūtren, seinen Lehrreden, den Yogaweg beschrieben und zusammengefaßt hat.

  1. Yamas – was ein Yogi nicht tun sollte (Thema Lebensführung: Nicht-Verletzten, Wahrhaftigkeit, Nicht-Wollen, Enthaltsamkeit, Nicht-Ergreifen)
  2. Niyamas – was ein Yogi tun sollte (Reinheit, Zufriedenheit, Disziplin, Selbststudium, Hingabe)
  3. Asanas – als dritter Punkt
  4. Pranayama – Atembeherrschung
  5. Pratyahara – Beherrschung der Sinne
  6. Dharana – Konzentration
  7. Dhyana – Meditation
  8. Samadhi – Erlösung

Dieser Weg ist jetzt nicht einer, den man Schritt für Schritt abhaken kann. Es ist ein sich ständiger wiederholender und sich unterstützender Weg, das eine geht oft nicht ohne das andere oder enthält bereits etwas geübtes. Wenn man diesen Weg also im Kopf hat, wie lässt sich Yoga jetzt in den Alltag einbringen? Hier sind meine Vorschläge:

Die Yamas: Versuche einmal einen Tag lang keine negativen Gedanken zu haben, keinen Selbstzweifel, keinen Ärger gegenüber sich oder einem anderen oder auch keine Worte zu sprechen die andere verletzen könnten und noch besser – sie gar nicht zu denken – manche meinen, dass dies bereits ein sehr fortgeschrittener Yoga ist. Versuche auch den ganzen Tag lang die Wahrheit zu sagen. Nicht zu stehlen fällt uns vermutlich am leichtesten. Gar nicht so einfach, oder? Und wir sind aus den Yamas noch gar nicht raus! 🙂 Nicht-wollen oder Nicht-begehren also wunschlos zu sein und allen alles gönnen, kein Gedanke dran dass einem etwas fehlt. Wenn man dies gut kann fällt einem die Enthaltsamkeit vermutlich leicht, dabei geht es zwar auch um eine positiv gelebte Sexualität, aber es geht auch darum sich nicht von körperlichen Begierden leiten zu lassen womit wir bei Punkt fünf, der Zügelung der Sinne oder dem Nicht-Ergreifen wären.

Bei den Niyamas tun wir uns mit dem Reinigen vermutlich leicht, wobei der Yogi auch das Innere des Körpers meint. Was man da täglich tun kann ist z.B. darauf zu achten was man isst. Dieses Gefühl etwas Gutes für sich getan zu haben führt vermutlich auch zu einem Gefühl der Zufriedenheit – wobei hier bei Patañjali ein konstantes Gefühl, also eher so etwas wie eine Lebenseinstellung gemeint ist! 🙂 Wenn wir diese Punkte erreicht haben, wissen wir auch was Selbstdisziplin und Selbstbeobachtung meinen. 🙂

Jedenfalls bedeutet alle diese Punkte zu leben Hingabe an den Yoga, aber auch hier ist die Hingabe an eine höhere Macht gemeint. Der Glaube.

Eine Asana die ich im Alltag jedem empfehle zu üben ist Tāḍāsana , der Berg. Diese Übung bedeutet sich aufzurichten und das kann ich überall tun. Im Sitzen, im Stehen, sogar im Liegen. 🙂 Aktiviere dazu (im Stehen) die Füße, stell dir vor sie drücken in den Boden, dann spanne leicht Waden, Oberschenkel und Po an. Wenn du das tust spürst du vermutlich gleich mal eine ziemliche Unterstützung in deinem unteren Rücken – vorausgesetzt natürlich, deine Knie sind locker! 🙂 Die Aufrichtung die du jetzt in Becken und Bauch spürst lässt du nach oben steigen, lass die Schultern und Schulterblätter sinken, hebe deinen Brustkorb und sinke sanft das Kinn Richtung Brustkorb. Bist du in einer sitzenden Position spüre die Sitzbeinhöcker, rutsche etwas nach vorne auf deinem Sitz und lass den Rücken lang werden.

Pranayama ist der Teil des Yoga den wir wirklich immer üben können! Es bedeutet Atemkontrolle aber auch Atembeobachtung. Und so einfach ist es auch schon. Egal wo du bist und was du tust, erinnere dich immer wieder daran deinen Atem wahrzunehmen. Wenn du bemerkst, dass er sehr flach ist, oder sehr schnell dann beginne bewusst tief und ruhig zu atmen. Spüre dabei die Bewegung in deiner Bauchregion. Auch hier gilt: im Sitzen, Stehen oder Liegen – das geht immer! 🙂

Die nächste Stufe Pratyahara meint die Beherrschung der Sinne und fällt, wenn du dir schon die Zeit nimmst ab und zu bewusst zu Stehen und zu Atmen vermutlich schon relativ leicht. Wenn ich mir meiner selbst bewusst bin, fällt es mir auch leicht zu beobachten, wie es mir überhaupt geht. Bin ich gerade gestresst, ärgert mich etwas oder fühle ich mich wohl? Wenn ich achtsam bin im Leben fällt mir auch auf, warum mich was in welcher Weise bewegt und das führt mit der Zeit dazu, dass ich nicht in die Emotionen eintauche die mir so passieren, sondern diese bewusst auch vorübergehen lassen kann! Die Beherrschung der Sinne meint, dass ich meinen Geist auf einen Punkt lenken kann und bereitet mich so auf den nächsten Punkt, Dharana vor – die Konzentration. Da wir ja bereits gelernt haben uns auf den Atem zu konzentrieren haben wir hier schon einen Vorteil! Der Atem ist das perfekte Objekt für die Sinnesbeobachtung- immer verfügbar und kostet nix 🙂

Und wenn du dich längere Zeit auf den Atem konzentriert hast findest du dich schon bald mal in einem Zustand wieder der als Dhyana bezeichnet wird – die Meditation – das zur Ruhe kommen des Geistes, ein Zustand der dich innen und außen ruhig macht – es fühlt sich an als wärst du gleichzeitig vollkommen innerhalb und außerhalb deines Körpers und als wärst du verbunden mit allem – schwierig das zu beschreiben. Dieser Zustand passiert manchmal einfach und manchmal kommt er gar nicht. Regelmäßig zu üben hilft und theoretisch kann man auch das überall und ständig machen. Allerdings empfehle ich zu beginn einen ruhigen, angenehmen und ungestörten Raum! 🙂

Samadhi ist dann der letzte Zustand den ein Yogi erreichen kann- Es ist das „sich auflösen in Raum und Zeit“ würde ich sagen, denn diese zwei Faktoren spielen keine Rolle mehr wenn man vollkommen eins wird und aufgeht in und mit allem… Manchmal wird es auch als das Verlassen der körperlichen Hülle beschrieben, doch nicht jeder Tod ist ein Samadhi, und nicht jedes Samadhi ein Tod!

So, ich hoffe, ich konnte dir die Yogaphilosophie für den Alltag so mitgeben! Yoga zu üben ist eine innere Haltung und ein Weg – nicht nur auf unserer Yogamatte 🙂

Alles Liebe & viel Freude beim Yogaüben!

Einige der Themen findest du auch schon auf meinem Blog: Übungsreihen, Atemübungen, Yoga in der U-Bahn, Meditation

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Rani

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1 Response so far »

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